Alles okay mit der Globalisierung?

von Ulrich Linnenberg

Die Möglichkeiten für uns Kaufleute erscheinen eigentlich verlockend, wenn auch nicht optimal.

Aber was, wenn plötzlich aufkeimender Nationalismus wie aus dem Nichts Hemmnisse kreiert und damit Investitionen in Gefahr bringt?

Wir sehen gerade, dass das Verhalten der Trump-Administration unkalkulierbare wirtschaftliche Gefahren schafft. Weitreichende Unternehmensentscheidungen aus der Vergangenheit, oder anstehende für die Zukunft, werden plötzlich durch das Handeln von Regierungen negativ beeinflusst.

Strafzölle führen zu Gegenmaßnahmen (z.B. USA:China). Angekündigte Marktausschlüsse als Strafmaßnahme gegen Unternehmen (z.B. USA:Iran oder USA:Nord Stream 2) bringen Investitionen in Gefahr. Embargoentscheidungen (EU:Russland, wegen Krim-Annexion) können für Russland-Spezialisten existenzbedrohend sein.

Die Politik entscheidet, aber Unternehmen und deren Mitarbeiter haben die Konsequenzen zu tragen!

Konzerne können damit leichter umgehen, als KMU. Letztlich bleiben die Unternehmen mit solchen Problemen alleine, müssen sich auf eigene Kosten Beratung und Rechtsbeistand holen, die finanziellen Konsequenzen aus nicht kalkulierbarem staatlichen Handeln selber tragen. Das sind Auswirkungen, die man wohl kaum als reines unternehmerisches Risiko bezeichnen kann.

Keine Strategie für solche grenzüberschreitenden politischen Entwicklungen zu haben, kann also die Existenz bedrohen. Aber kein KMU beschäftigt sich bei internationalen Expansionsplänen schon gleichzeitig mit einem Exit-Szenario wegen eventueller negativer staatlicher Einflüsse. Das wäre lebensfremd.

Wissen schafft Perspektive!

Ich sehe, dass der DIHK, als Dachverband aller IHKs, zu solchen Situationen, die neuerdings wie plötzliche Unwetter auftreten, pauschale Rückzugsszenarien und Entschädigungsmodelle entwickeln könnte. Eckpunkte, die Unternehmen heranziehen können, um individuelle Maßnahmen auszuarbeiten und Entscheidungen zu treffen.

Es gibt Rettungsfonds für Banken und Versicherungen, damit große volkswirtschaftlich bedeutende Schäden teilweise aufgefangen werden. Weshalb nicht auch einen Entschädigungsfond einrichten der – bei finanziellen Nachteilen durch staatliche Einflussnahme – Unternehmen entsprechend entschädigt (z.B. Krim-Krise)?

Das Embargo gegen Russland ist moralisch verständlich, aber ruinös für Russland-Spezialisten aus allen gewerblichen Bereichen. Firmen, die seit Jahrzehnten das komplizierte und schwierige Geschäft mit Russland beleben, waren schließlich immer auch Stolz der Nation. Hilfen zur vorrübergehenden Existenzsicherung sollten deshalb so selbstverständlich sein wie das Schlechtwettergeld am Bau!

Heute trifft es die Unternehmen die sich in Russland und dem Iran engagiert haben, morgen vielleicht die Unternehmen im Chinahandel und übermorgen?

Was könnte die Vollversammlung der IHK Köln hierzu bewirken?

Es liegt nicht in der Hand einer einzelnen IHK solche Lösungen zu schaffen, aber die IHK Köln könnte sich für das Thema werbend einsetzen. Ich möchte die Notwendigkeit gerne zur Diskussion stellen und um eine Resolution (so nennt man das) der Vollversammlung anregen. Eine solche Resolution geht dann an den DIHK und auch an die bundesdeutsche Politik, mindestens als Denkanstoß.

Was einzelne Unternehmen nicht auf den Weg bringen können, die IHK kann es, denn Gemeinsamkeit macht stark!

Die NewKammer Initiative setzt sich dafür ein, dass die IHK Köln hier stärker als bisher aktiv wird. Deshalb: NewKammer wählen!