Transparenz braucht Augenhöhe

von Astrid Windfuhr

Wie gehen Sie mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um, die nach Hintergrundinformationen zum aktuellen Projekt fragen? Antworten Sie dann: „Das brauchen Sie nicht zu wissen, machen Sie einfach Ihre Arbeit!“? Schließlich wissen Sie als Unternehmerin oder Unternehmer doch am allerbesten und ganz allein, wo es langgehen soll! Und wenn Mitarbeiter einen Vorschlag machen oder Ihre Meinung zur Geschäftsstrategie äußern? Versuchen Sie dann, die zum Schweigen zu bringen?

Natürlich nicht! Dieser Art Führungsstil ist sowas von gestern! Der Fachkräftemangel – oder einfach Ihr gesunder Menschenverstand – hat Sie gelehrt, Ihre Mitarbeiter wertzuschätzen und ihre Bedürfnisse nach Kommunikation ernst zu nehmen: Sie geben Diskussionen Raum, Sie hören zu, Sie legen Ihre eigene Strategie offen und Sie erklären das „Warum?“, das dahinter steht. Außerdem haben Sie begriffen, dass Sie Ihren Mitarbeitern am Ende auch Lösungen anbieten müssen.

Offener Austausch schafft Bewegung

Vielleicht haben Sie bei diesen Prozessen die Erfahrung gemacht, dass der offene Austausch kein bloßer Zeitfresser ist und auch mehr als nur eine Streicheleinheit zur Motivation der Mitarbeiter, sondern tatsächlich auch Ihnen etwas bringt: Sie erfahren Neues über Kunden und Abläufe im Unternehmen, Sie erhalten Verbesserungsvorschläge, werden rechtzeitig vor Fehlern gewarnt und aus Ihrem ganz persönlichem Tunnelblick befreit. Und ganz nebenbei hat sich die Bereitschaft der Mitarbeiter, Verantwortung zu übernehmen erhöht. Wahrscheinlich sind Sie stolz, dass Sie es geschafft haben, diese moderne Führungskultur in Ihrem Unternehmen zu etablieren. Es ist eine Kultur der Kommunikation auf Augenhöhe.

Wertschätzender Diskurs

Wenn Sie sich nun ehrenamtlich als Vertreterin oder Vertreter der Wirtschaft in einem Gremium engagieren, welche Erwartungen haben Sie dann dort an die Diskussionskultur? Zu Recht erwarten Sie die gleiche Qualität wie in Ihrem eigenen Unternehmen! Wenn immer mehr Unternehmen flache Hierarchien und agile Strukturen einführen und mit ihren Mitarbeitern einen Dialog auf Augenhöhe führen, sollte sich diese Kultur auch in der Arbeit der IHK-Vollversammlung spiegeln. Dafür setzen wir uns von der New Kammer Initiative ein. Wir wollen, dass alle Argumente gehört werden, alle Informationen zur Verfügung stehen und die Mitglieder ihre Fachkompetenz einbringen können. So werden Entscheidungsprozesse transparent. Und nur so kann die Kammer die Interessen der Kölner Unternehmerschaft tatsächlich wahrnehmen und vorantreiben.